Erlebnisbericht vom Probedriften
Christian Kohlmann schreibt...
... es war an einem verregneten, grauen Nachmittag Anfang Januar als Marcus Kaliga mich abholte. Das Außenthermometer zeigte 4 Grad. Wir fuhren durch den Regen nach Dinslaken. Auch in diesem Jahr veranstaltet Ingo Rübener den mittlerweile legendären Porsche-Club-Day am 1. Mai auf der hiesigen Trabrennbahn. In den letzten Jahren kamen über 600 Porsche-Fahrzeuge und viele begeisterte Zuschauer zu diesem Event. Dabei wird die Trabrennbahn aber nur im vorsichtigen Schritttempo befahren, um seinen Porsche in die längste Porsche-Schlange der Welt zu stellen. Dabei kam die Idee, den Traum fast aller Porsche-Fahrer einmal zu realisieren. Mit Vollgas im Drift über die Sandbahn zu fahren.
Das Auto-Motiv-Team konkretisierte dann gemeinsam mit Ingo Rübener diese Idee, einen Werbefilm für den nächsten Porsche-Club-Day am 1.Mai zu drehen.
Zu sehen sein sollten mehrere parallel-driftende Porsche auf der Sandbahn.
Driften im Regen Kurze Pause im Flutlicht
Bei unserer Ankunft um 15:00 Uhr stand schon Ingo Rübener mit dem Fernseh-Team von SAT1 zusammen. Ein Kamera-Mann, ein Ton-Techniker, ein Beleuchter und eine Redakteurin für die Interviews waren aus dem Regional-Studio Dortmund angereist.
Wegen des immer noch anhaltenden Nieselregens gingen wir gemeinsam in das extra für uns geöffnete Rennbahn-Restaurant und wärmten uns mit heißem Kaffee auf. Dort saßen auch schon andere Gäste, sowie Ingos Frau Sonja.
Dann ging es auch schon los, innerhalb weniger Minuten trafen Oliver und Patrick Rohde mit ihrem 924 Carrera GT (seltenes Stück, davon wurden nur 444 Stück gebaut) und 944 Turbo ein, gefolgt von Martin De Jong im 911 SC. Michael Küke kam dann auch mit dem LKW auf die Sandbahn gefahren. Schnell wurde das Prachtstück eines 911 2,7 RS entladen, mit dem Helge Förster und er schon die Rallye Köln-Ahrweiler mitgefahren sind. Das Fahrzeug wurde für den historischen Rennsport aufgebaut, und entspricht nach dem Reglement für historischen Motorsport der Gruppe 3, seriennahe GTs.
Dann ging es langsam los, das Flutlicht erleuchtete die große Trabrennbahn, die Fahrer setzten ihre Helme auf. Kurz wurden noch letzte Instruktionen ausgetauscht. Die 4 Porsche setzten sich langsam in Bewegung, zuerst relativ zahm über die nasse Sandbahn. Dann in der lang gezogenen Kurve erste vorsichtige Gasstöße. Ich glaube, niemand der drift-erfahrenen Piloten ist jemals über eine Trabrennbahn mit seinem Porsche gefahren.
Viele Zuschauer saßen wegen des fies-kalten Wetters im Restaurant bei einem heißen Kaffee oder Bier, und wollten aus den großen Panorama-Scheiben das Geschehen verfolgen. Als dann jedoch die Porsche-Motoren immer lauter wurden, vor allem der stimmgewaltige 2,7 RS, hielt es keinen mehr im Restaurant. Alle stürmten nach draußen.
Schon nach einer Runde ging's dann aber heftiger zur Sache, die Porsche drifteten perfekt im gleichmäßigen Winkel durch die Kurven, so, als ob die Fahrer in Leben noch nichts anderes gemacht hätten, als über Sandbahnen zu fahren.
Selbst die angereisten Reporter sowie die Kamera-Teams von RTL und SAT1, die sicher schon einiges gesehen haben, zogen angenehm überrascht ihre Augenbrauen nach oben.
Michael Küke Porsche 911 RS, 1973
Als unsere Jungs dann warm waren, ging's richtig ab! Das muss man erlebt haben! Es hat alles gestimmt! Die Atmosphäre war genial. Das Flutlicht auf der Trabrennbahn, selbst der Nieselregen hat dazu beigetragen, das man sich fühlte wie in einer anderen Welt. Die starken Porsche-Motoren röhrten durch die Nacht. Besonders schön hörte sich der 2,7 RS an. Er hob sich nicht alleine durch Lautstärke ab, nein, es war der Klang. Der Apparat dröhnt nicht nur laut 'rum. Er trompetete durch die flutlichterhellte Nacht. Das ist mit Abstand der schönste Elfer-Sound, den ich je gehört habe!
Ich versuchte diese fantastische Atmosphäre mit meiner Kamera einzufangen.
Ich postierte mich ganz nah im Außenbereich der Kurven, vorsichtshalber HINTER einem Flutlichtmast ;-) Diese Atmosphäre erinnerte mich an die Rallye Monte-Carlo, die Nacht der langen Messer (mit den langen Messern sind bei dieser Nacht-Etappe der Rallye die Scheinwerfer-Strahlen der Fahrzeuge gemeint, die die Dunkelheit zerschneiden).
Auch das SAT1-Team stand direkt neben mir. Die perfekten Drifts der Piloten animierten uns, immer näher an die Bahn zu gehen, um noch bessere Aufnahmen zu bekommen. Das war toll! Die Scheinwerfer der Porsche in der Nacht, der Sound, die super Drifts! Die Reifen pflügten durch den nassen Sand, der im hohen Bogen über die Piste flog. Ja, der Sand.... wir waren von oben bis unten total versaut. Auch die Kameras haben ein wenig gelitten. Dieses nasse Sandzeugs ging auch nicht mehr aus den Klamotten raus, Hose und Mantel mussten nachher in die Reinigung. Die Schuhe bedurften anschließend einer stundenlangen Pflege. Aber egal, das war es wert.
4 Porsche von dem Einsatz Presse-Fotoshooting
Dann stieg ein Kameramann von SAT1 bei Michael im RS zu. Er hatte eine Mini-Kamera dabei, die er aus dem Beifahrer-Fenster hielt um schöne Aufnahmen der Reifen zu bekommen, wie sie durch den Sand pflügen.
Schließlich wurde Michael noch vom SAT1-Team interviewt. Er musste den Elfer richtig postieren, das Licht wurde gecheckt, der Ton, usw. Michael sollte seinen Helm aufbehalten, und auf dem Fahrersitz bleiben. Dann wurde er von außen durch die geöffnete Seitenscheibe befragt.
Die gestellten Fragen fand ich persönlich ein bisschen komisch. Es wurde vorher auch nichts abgesprochen. Ich muss sagen, Michael hat sehr gut pariert, mit laufender Kamera in einen Scheinwerfer guckend hat er einen guten Auftritt hingelegt. Ich weiß nicht, ob ich in dieser Situation spontan solche Fragen wie "was ist das für ein Gefühl beim driften?", oder "was erzeugt bei ihnen noch schönere Gefühle als driften?", ohne stottern und Versprecher hinbekommen hätte. Was antwortet man spontan auf solche Fragen? Vor laufender Kamera!
Michael Küke Interview mit SAT1
Dann war es irgendwann vorbei, die Fahrzeuge rollten langsam aus, Abkühlrunde. Dann wurden sie vor dem Restaurant geparkt, wo wir uns alle zu einem Getränk trafen. Die Fahrer strahlten vor Begeisterung. Dass es soviel Spaß machen würde, hätte wohl niemand vermutet. Die Fahrzeuge strahlten nicht mehr, sie waren total dreckig. Sahen aus wie nach mehreren Rallye-Etappen. Im Restaurant begrüßten wir dann noch alle Zuschauer die nicht von Beginn an dort waren, nach und nach sind ja immer mehr Porsche-Freunde nachgekommen.
Die Fahrer waren mit ihren Leistungen und den Autos sehr zufrieden, die Zuschauer begeistert! Das war ein rundum gelungenes Ereignis!
Wir freuen uns schon auf weitere Highlights der kommenden Saison.
Christian Kohlmann, 08.01.2004
Vielen Dank, Christian!! [Der Webmaster]
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